Auch wenn Brustwarzenausfluss meist durch eine gutartige Erkrankung verursacht wird, kann er in seltenen Fällen ein Anzeichen für Brustkrebs sein. Der Ausfluss kann spontan oder erst bei Druck auftreten, aus einer oder aus beiden Brüsten, aus einem oder aus mehreren Milchgängen. Außerdem sind begleitende Faktoren wie der Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus, einer Schwangerschaft oder körperlicher Anstrengung, eine Verletzungsvorgeschichte, die Einnahme von Medikamenten und Hormonstörungen zu berücksichtigen.
Verdächtiger Brustwarzenausfluss tritt in der Regel spontan auf und stammt aus nur einer Brust und nur einem Milchgang. Ein Knoten kann vorhanden sein oder auch nicht, der Ausfluss kann klar oder blutig sein. Nach dem 50. Lebensjahr ist er zudem besorgniserregender.
Physiologischer Brustwarzenausfluss tritt meist bei Druck auf und stammt aus beiden Brüsten und aus mehreren Milchgängen. In der Pubertät kann er klar sein, in der späten Schwangerschaft und zu Beginn der Stillzeit blutig, bei langjähriger Einnahme der Antibabypille dunkel gefärbt und vor den Wechseljahren schmutzig-trüb.
Jeder Frau mit Brustwarzenausfluss werden eine ausführliche Anamnese, eine Untersuchung der Brust und bildgebende Untersuchungen empfohlen. Vom Ausfluss sollte ein Abstrich angefertigt und unbedingt zytologisch beurteilt werden. Zum Nachweis eines soliden oder zystischen Knotens, eines intraduktalen Papilloms oder einer Milchgangserweiterung (duktale Ektasie) können Ultraschall, Mammographie und bei Bedarf eine Brust-MRT hilfreich sein. Der Einsatz von Duktographie oder Duktoskopie ist umstritten und hängt vom Brustchirurgen und vom Radiologen ab.
Auch wenn dem Brustwarzenausfluss überwiegend eine gutartige Erkrankung zugrunde liegt, sollte insbesondere blutiger oder klarer Ausfluss an Brustkrebs denken lassen. Die Ursache blutigen Ausflusses ist zu 45 % ein intraduktales Papillom, zu 30–35 % eine duktale Ektasie, zu 8–15 % ein Karzinom und zu 5–10 % eine Infektion. Gelber, grüner, brauner oder grauer Ausfluss steht meist im Zusammenhang mit fibrozystischen Veränderungen. Grüner, trüber Ausfluss ist dagegen auf eine duktale Ektasie oder eine Verstopfung der Milchgänge zurückzuführen. Bei einem Prolaktinom kommt es typischerweise zu milchigem oder hellem Ausfluss aus beiden Brüsten.
Symptome
Das Aussehen des Ausflusses gibt einen ersten Hinweis. Milchähnlicher Ausfluss (Galaktorrhö) tritt in der Regel aus hormonellen Gründen, nach einer Schwangerschaft oder Stillzeit oder unter bestimmten Medikamenten auf. Klarer, gelber, grüner oder brauner Ausfluss ist meist bei gutartigen Veränderungen der Milchgänge zu sehen. Blutiger oder rosafarbener Ausfluss muss dagegen unbedingt abgeklärt werden, vor allem wenn er nur auf einer Seite auftritt.
Wenn der Ausfluss von einer Einziehung der Brustwarze, ekzemähnlicher Krustenbildung und Rötung der Haut, einem tastbaren Knoten oder Schmerzen begleitet wird, sollten Sie dies Ihrer Ärztin mitteilen. Den Ausfluss durch ständiges Ausdrücken kontrollieren zu wollen, kann den Zustand verlängern.
Diagnose
Die Abklärung beginnt mit einer ausführlichen Anamnese und der Untersuchung beider Brüste; dabei wird festgestellt, aus welchem Milchgang der Ausfluss kommt. Ein Abstrich des Ausflusses kann zytologisch untersucht werden. Mit dem Ultraschall werden Erweiterungen der Milchgänge oder Veränderungen wie Papillome gesucht; je nach Alter kommt eine Mammographie hinzu, bei Bedarf auch eine Brust-MRT.
Bei milchähnlichem Ausfluss können ein Schwangerschaftstest und Hormonuntersuchungen wie Prolaktin veranlasst werden. Duktographie und Duktoskopie können in ausgewählten Fällen hilfreich sein, sind jedoch nicht bei jeder Patientin erforderlich; über ihren Einsatz entscheidet die behandelnde Ärztin.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache des Ausflusses. Bei Ausfluss, der zu physiologischen und gutartigen Befunden passt, genügen meist Beruhigung und der Verzicht auf unnötige Reizung der Brustwarze. Löst ein Medikament den Ausfluss aus, wird dies unter ärztlicher Kontrolle überprüft; Ursachen wie ein erhöhter Prolaktinspiegel oder eine Entzündung der Milchgänge werden mit der jeweils passenden Therapie behandelt.
Bei spontanem, blutigem oder klarem Ausfluss aus einem einzelnen Milchgang oder wenn in der Bildgebung eine Veränderung festgestellt wird, kann es erforderlich sein, den betroffenen Milchgang operativ zu entfernen und pathologisch untersuchen zu lassen. Diese Entscheidung wird gemeinsam mit Ihnen getroffen, nachdem Ihre Ärztin alle Befunde als Ganzes beurteilt hat.
Ausführliche Informationen zu den Operationsmöglichkeiten und zum Ablauf des Eingriffs finden Sie auf der Seite Brustchirurgie.



