Die Brustchirurgie umfasst die Operationen, die zur Diagnose und Behandlung von Brusterkrankungen eingesetzt werden. Bei Brustkrebs besteht das Ziel darin, die Erkrankung sicher zu entfernen und dabei das Aussehen und die Funktion der Brust so weit wie möglich zu erhalten; bei gutartigen Veränderungen geht es darum, die Beschwerden zu beheben und unnötige Eingriffe zu vermeiden. Prof. Dr. Müjgan Çalışkan Evren ist Professorin für Allgemeinchirurgie und onkoplastische Brustchirurgin; ihren Masterabschluss im Bereich Brustheilkunde hat sie an der Universität Mailand erworben. Der Behandlungsplan richtet sich nach Art und Stadium der Erkrankung, nach Alter, allgemeinem Gesundheitszustand und Erwartungen der Patientin und wird gemeinsam mit den beteiligten Fachdisziplinen im Gespräch mit Ihnen erstellt und bei Bedarf erneut überprüft.
Diese Seite fasst die wichtigsten Themen vom onkoplastischen Ansatz über die brusterhaltende Operation, die Mastektomie und das Vorgehen in der Achselhöhle bis hin zur Rekonstruktion und Nachsorge im Überblick zusammen. Die hier enthaltenen Informationen sind allgemeiner Natur und ersetzen keine Untersuchung; eine individuelle Entscheidung wird erst getroffen, wenn die Ärztin Untersuchungsbefund, Bildgebung und Pathologieergebnisse gemeinsam bewertet hat.
Was ist der onkoplastische Ansatz?
Die onkoplastische Chirurgie verbindet die sichere Entfernung des Brustkrebses mit den Prinzipien der plastischen Chirurgie. Ziel ist es, den Tumor nach onkologischen Regeln mit ausreichendem Sicherheitsabstand im gesunden Gewebe zu entfernen und dabei im selben Eingriff Form, Symmetrie und natürliches Aussehen der Brust so weit wie möglich zu bewahren.
Bei diesem Vorgehen wird das Brustgewebe neu geordnet; bei Bedarf wird zur Wiederherstellung der Symmetrie auch ein Eingriff an der anderen Brust geplant. Die Behandlung wird von einer Ärztin mit Erfahrung in Allgemeinchirurgie und Brustchirurgie gemeinsam mit dem Team aus Radiologie, Pathologie und Onkologie geplant. Welche Technik geeignet ist, richtet sich nach den Eigenschaften des Tumors, dem Aufbau der Brust und den Wünschen der Patientin und wird nach der ärztlichen Untersuchung festgelegt.
Brusterhaltende Operation
Bei der brusterhaltenden Operation werden nur der Tumor und ein sicherer Gewebesaum um ihn herum entfernt; die Brust bleibt weitgehend erhalten. Bei geeigneten Patientinnen ist sie in Verbindung mit der anschließenden Strahlentherapie eine anerkannte Option bei Brustkrebs.
- Das Verhältnis der Tumorgröße zum Brustvolumen sowie die Lage des Tumors sind wichtig.
- Der Befall mehrerer größerer Bereiche der Brust oder die Unmöglichkeit einer Strahlentherapie kann die Eignung einschränken.
- Das entfernte Gewebe wird pathologisch untersucht; wird an den Rändern Tumor festgestellt, kann ein weiterer Eingriff erforderlich sein.
Einzelheiten finden Sie auf der Seite zur brusterhaltenden Operation, zur ergänzenden Behandlung nach der Operation auf der Seite zur Strahlentherapie. Die Eignung wird bei jeder Patientin einzeln beurteilt.
Mastektomie und risikoreduzierende Operation
Die Mastektomie ist die Entfernung des gesamten Brustdrüsengewebes. Sie kommt in Betracht, wenn eine brusterhaltende Operation nicht geeignet ist oder wenn die Patientin dies wünscht. Techniken, bei denen Haut und Brustwarze erhalten bleiben, sind in ausgewählten Fällen möglich; diese Entscheidung hängt von der Lage und Ausdehnung des Tumors ab.
Die risikoreduzierende Operation ist dagegen ein vorbeugender Eingriff, der bei Personen mit hohem Krebsrisiko erwogen wird, zum Beispiel bei starker familiärer Belastung oder bestimmten genetischen Veränderungen. Sie senkt das Krebsrisiko, beseitigt es aber nicht. Die Entscheidung sollte erst nach genetischer Beratung, Risikobewertung und ausführlicher Aufklärung getroffen werden. Zu diesem Thema können Sie sich die Seiten zur Mastektomie und zur risikoreduzierenden Operation ansehen.
Vorgehen in der Achselhöhle
Bei Brustkrebs ist der Zustand der Lymphknoten in der Achselhöhle für die Stadieneinteilung und die Behandlungsplanung wichtig. Deuten klinische und bildgebende Befunde nicht auf einen Lymphknotenbefall hin, wird in der Regel die Sentinel-Lymphknoten-Biopsie bevorzugt. Bei diesem Verfahren werden ein oder mehrere Lymphknoten entfernt und untersucht, die als erste aus dem Brustbereich Lymphe aufnehmen; so ist es häufig nicht notwendig, das gesamte Fettgewebe der Achselhöhle zu entfernen.
Ist ein Befall nachgewiesen oder liegen bestimmte Situationen vor, kann eine axilläre Lymphknotenausräumung in Betracht kommen. Ziel ist es, die richtigen Informationen zu gewinnen, ohne das Risiko für Armschwellung (Lymphödem) und Gefühlsverlust unnötig zu erhöhen. Welches Verfahren geeignet ist, entscheidet das Team gemeinsam.
Brustrekonstruktion
Die Rekonstruktion ist der Wiederaufbau der Brust nach einer Mastektomie oder nach brusterhaltenden Operationen mit größerem Gewebeverlust. Sie kann in derselben Sitzung wie die Mastektomie (Sofortrekonstruktion) oder nach Abschluss der Behandlungen (Spätrekonstruktion) erfolgen; der Zeitpunkt richtet sich nach den erforderlichen weiteren Therapien und der Situation der Patientin.
- Rekonstruktion mit Implantat: Das Brustvolumen wird mit einer Silikon- oder ähnlichen Prothese aufgebaut; in der Regel ist eine kürzere Operationsdauer erforderlich.
- Rekonstruktion mit Eigengewebe: Es wird körpereigenes Gewebe (zum Beispiel vom Bauch oder Rücken) verwendet; die Operation ist umfangreicher.
Jedes Verfahren hat Vorteile und Risiken; die Wahl richtet sich nach Körperbau, Begleiterkrankungen und Erwartungen.
Chirurgie bei gutartigen Brusterkrankungen
Der größte Teil der Knoten in der Brust ist gutartig; dennoch sollte jeder Knoten angemessen abgeklärt werden. Fibroadenome und intraduktale Papillome sind häufige Beispiele. Ein Teil der Fibroadenome kann lediglich beobachtet werden; bei wachsenden, Beschwerden verursachenden oder diagnostisch nicht gesicherten Knoten wird eine Entfernung erwogen.
Beim intraduktalen Papillom kann, insbesondere bei Brustwarzenausfluss, die Entfernung zusammen mit dem betroffenen Milchgang empfohlen werden. Für einige sorgfältig ausgewählte Fibroadenome gibt es auch Verfahren ohne Operation; Einzelheiten finden Sie auf der Seite zur Fibroadenom-Behandlung ohne Operation. Vor einer Entscheidung sollte die Diagnose durch Ultraschall und, falls erforderlich, durch eine Biopsie gesichert werden.
Untersuchungen vor der Operation
Die Planung beginnt mit einer ausführlichen ärztlichen Untersuchung und Anamnese: Beschwerden, Familiengeschichte, frühere Operationen und eingenommene Medikamente werden erfragt. Anschließend kommen bildgebende Verfahren wie Mammographie, Ultraschall und, falls erforderlich, Magnetresonanztomographie zum Einsatz.
Bei einem verdächtigen Bereich wird mittels Biopsie eine Gewebeprobe entnommen, und anhand des pathologischen Befundes wird der Behandlungsplan erstellt. Bei einer Krebsdiagnose werden die Eigenschaften der Erkrankung, der Zeitpunkt der Operation und gegebenenfalls erforderliche weitere Behandlungen interdisziplinär besprochen. Dass Sie in dieser Phase Ihre Fragen stellen und die Optionen kennenlernen, ist wichtig, damit die Entscheidung gemeinsam getroffen wird. Für die Beurteilung können Sie einen Termin vereinbaren.
Verlauf und Nachsorge nach der Operation
Die Dauer des Krankenhausaufenthalts und der Zeitpunkt der Rückkehr in den Alltag richten sich nach der Art der durchgeführten Operation. Drainage (ein dünner Schlauch zur Ableitung von Flüssigkeit), Schmerzkontrolle, Wundpflege und Armübungen sind in der ersten Zeit häufig besprochene Themen. Das Befolgen der Ihnen mitgegebenen Anweisungen unterstützt die Heilung.
Liegt der pathologische Befund vor, werden die Ergebnisse bewertet; bei Bedarf werden Strahlentherapie, Chemotherapie, Hormontherapie oder zielgerichtete Therapie geplant. In den folgenden Jahren wird die Nachsorge mit regelmäßigen Untersuchungen und Bildgebung fortgesetzt. Bei Fieber, deutlicher Rötung, zunehmender Schwellung oder Ausfluss aus der Wunde wenden Sie sich bitte ohne Verzögerung an Ihr Team. Bei Fragen können Sie die Seite Kontakt nutzen.






