Weltweit werden etwa 40 % der Brustkrebserkrankungen bei Frauen über 65 Jahren festgestellt.
Der Umgang mit Brustkrebs im höheren Lebensalter unterscheidet sich etwas von dem bei jüngeren Frauen. Insbesondere wenn chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes, Herzinsuffizienz oder Parkinson vorliegen, ändert sich die Wahl der Behandlung. Auch die zu erwartende Lebenszeit beeinflusst die Therapie.
Unterschiede in der Behandlung
Ein weiteres wichtiges Kriterium bei der Behandlung älterer Patientinnen ist, ob die Frau sich in den Wechseljahren befindet. Mit dem Eintritt in die Menopause sinkt der Östrogenspiegel. Dies ist insbesondere bei hormonempfindlichen Krebsarten von Vorteil. Deshalb fällt auch die Wahl der Behandlung anders aus.
Ein ernstes Problem bei der Behandlung älterer Patientinnen besteht darin, dass sie aufgrund ihres altersbedingten Gesundheitszustands körperlich für eine Strahlen- oder Chemotherapie unter Umständen nicht geeignet sind.
Kriterien wie Alter, Vitalität, chronische Beschwerden und zu erwartende Lebenszeit der Patientin spielen bei der Wahl der Behandlung eine große Rolle.
Symptome
Die Symptome von Brustkrebs im höheren Alter sind im Allgemeinen dieselben wie in anderen Altersgruppen, können aber aus bestimmten Gründen spät bemerkt werden. Besonders auf Folgendes sollte geachtet werden:
- Ein schmerzloser, langsam wachsender Knoten in der Brust
- Einziehung, Verkrustung oder Wunde an der Brustwarze
- Verdickung, Rötung oder Einziehung der Haut
- Vergrößerte Lymphknoten in der Achselhöhle
In dieser Altersgruppe werden Mammographie-Kontrollen möglicherweise nicht mehr wahrgenommen, oder eine Veränderung in der Brust wird als „altersbedingt“ angesehen und aufgeschoben. Wenn Sie – gegebenenfalls mit Hilfe Ihrer Angehörigen – eine neue Veränderung bemerken, zögern Sie die fachärztliche Untersuchung auch in fortgeschrittenem Alter nicht hinaus.
Diagnose
Der Diagnoseweg ähnelt dem in anderen Altersgruppen: klinische Untersuchung, Mammographie und Brustultraschall, Nadelbiopsie des verdächtigen Bereichs und pathologische Untersuchung. Die Biopsie kann meist in örtlicher Betäubung ohne Krankenhausaufenthalt durchgeführt werden. Tumoreigenschaften wie Hormonrezeptor und HER2 sind für die Wahl der Behandlung wichtig.
Im höheren Alter erfolgt als zusätzlicher Schritt eine Beurteilung des allgemeinen Gesundheitszustands. Begleiterkrankungen wie Herz-, Blutdruck-, Zucker- und Nierenerkrankungen, eingenommene Medikamente, der Grad der Selbstständigkeit im Alltag und die Wünsche der Patientin gehören zu dieser Beurteilung. Das Ziel ist, nicht nach dem kalendarischen Alter, sondern nach der tatsächlichen Situation der Patientin zu planen. Falls erforderlich, kann zur Untersuchung der Ausbreitung eine zusätzliche Bildgebung empfohlen werden.
Behandlung
Die Behandlung wird nicht allein nach dem Alter, sondern unter gemeinsamer Berücksichtigung der Tumoreigenschaften, der Begleiterkrankungen, der zu erwartenden Lebenszeit und des Wunsches der Patientin geplant. Viele ältere Patientinnen können, wenn sie dafür geeignet sind, von den Standardbehandlungen profitieren. Die wichtigsten Punkte sind:
- Die Operation kann meist sicher durchgeführt werden; das Narkoserisiko wird vorab beurteilt
- Bei hormonempfindlichen Tumoren kann die Hormontherapie in Tablettenform eine gut verträgliche Option sein
- Chemotherapie und Strahlentherapie werden entsprechend der Belastbarkeit der Patientin ausgewählt oder angepasst
- In ausgewählten Fällen können mildere oder kürzere Strahlentherapieschemata bevorzugt werden
Entscheidend ist es, Belastung und Nutzen der Behandlung gegeneinander abzuwägen. Welcher Plan für Sie geeignet ist, entscheiden gemeinsam mit Ihnen und Ihren Angehörigen die Brustchirurgin, die Sie untersucht, und das onkologische Team.
Ausführliche Informationen zu Operationsoptionen und zum operativen Ablauf finden Sie auf der Seite Brustchirurgie.



